Der Anstieg von Umweltbakterien erfordert eine neue Sichtweise auf die Zitzendesinfektion
Jod war früher nicht immer die erste Wahl bei der Zitzendesinfektion, doch die Weiterentwicklung der Jod-Produkte hat den Wirkstoff Jod wieder deutlich stärker in den Fokus gerückt. Heute gilt Jod als breit wirksame, zuverlässige und effektive Lösung, die zu den aktuellen Herausforderungen in der Milchviehhaltung passt. Zitzendesinfektion auf Basis von Chlordioxid ist nach wie vor für ihre hohe Wirksamkeit gegen schädliche Bakterien bekannt – in der Praxis ist diese Lösung aber nicht für jeden Betrieb geeignet. Vor allem auf Betrieben mit automatischen Melksystemen (AMS) ist die Anwendung nicht immer praktikabel.
Umweltassoziierten Erreger spielen eine größere Rolle
Durch den jahrelangen Fokus auf Milchhygiene, Melktechnik und Zitzendesinfektion sind klassische kuhgebundene Erreger stark zurückgegangen. Gleichzeitig haben sich die Betriebe verändert: mehr Tiere, längere Liegezeiten in den Boxen und ein insgesamt komplexeres Boxen- und Einstreumanagement. Feuchte Bedingungen, wechselhaftes Wetter und höhere Belegungsdichten erhöhen den Infektionsdruck aus der Umgebung.
Bei AMS kommt ein zusätzlicher Punkt dazu: Der Zitzenkanal ist häufiger geöffnet, wodurch Umwelterreger leichter eindringen können. Während früher vor allem kuhassoziierte Erreger eine Rolle spielten, verursachen heute zunehmend Umwelterreger wie E. coli, Streptococcus uberis und Klebsiella Probleme.
Die richtige Spray-Lösung wählen
All dies erfordert eine neue Sichtweise auf die Zitzendesinfektion und die Produktauswahl. Konzentration, Formulierung und Anwendung entscheiden nicht nur über die Keimreduktion, sondern auch über die Zitzenkondition – und damit über den Erfolg auf längere Sicht. Neue Jod-Sprays lassen sich auch auf AMS-Betrieben gut einsetzen und sind eine zuverlässige Lösung, wenn sie zur betriebsspezifischen Situation passen.Wie wirkt Jod?
Jod tötet schädliche Bakterien, indem es deren Proteine irreversibel schädigt. Dadurch stört es die Zellfunktionen, und die Zelle stirbt schnell ab. Weil Bakterien, Hefen und viele Viren auf Proteine angewiesen sind, hat Jod ein breites Wirkungsspektrum – und Resistenzen spielen dabei keine Rolle.
PPM und Zitzenkondition: Mehr ist nicht automatisch besser
Nicht das gesamte Jod in einem Produkt ist „aktiv“. Der Anteil an verfügbarem Jod ist der Teil, der tatsächlich Keime abtötet. Jod-Produkte können sich daher in der Praxis deutlich unterscheiden – sowohl in der Wirkung als auch im Einfluss auf die Zitzenhaut. ppm gibt die Jodmenge im Produkt an.Für die Zitzendesinfektion nach dem Melken sind 1.500 bis 3.000 PPM üblich. Höhere ppm bedeuten nicht automatisch bessere Ergebnisse: Zu hohe Konzentrationen können die Zitzenhaut unnötig belasten. Das verschlechtert die Zitzenkondition – und erhöht am Ende sogar das Risiko, dass Keime leichter eindringen. 1.500 bis 3.000 PPM liefern eine effektive Keimabtötung, sofern sichergestellt wird, das das Dippmittel richtig auf das Euter aufgetragen wird.